Profil
02.10.2007
Anzahl der Schulen
Zum 01. August 2007: 403 Ganztagsschulen in Angebotsform, 86 Ganztagsschulen in verpflichtender Form (66 Förderschulen und 20 allgemein bildende Schulen), 33 Ganztagsschulen in offener Form.
Betroffene Schulformen
Grundschulen, Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen und Schulen der Sekundarstufe I
Zeitumfang
An mindestens vier Tagen in der Zeit von 8.00 bis 16.00 Uhr
Formen des GanzTags
- GanzTagsschule in Angebotsform
- Verpflichtende Ganztagsschulen
- Offene Ganztagsschulen
Ziele des GanzTags
Die Neue Ganztagsschule in Rheinland-Pfalz verfolgt diese Ziele:
- Ganztagsschule ist ein Angebot für alle Kinder und Jugendlichen
- Schule ist nicht nur Unterrichtsraum, sondern nimmt zugleich auch Erfahrungen aus anderen Lebensbereichen auf und wirkt in einem ganzheitlichen Sinn als Lebens- und Erfahrungsraum
- Ganztagsschule bietet die Möglichkeit, auch zeitintensive Lernformen zu organisieren; Arbeitstechniken und Methoden können breiteren Raum erhalten (Werteerziehung, Partizipation,...)
- Im Sinne einer Öffnung von Schule werden pädagogisches Fachpersonal und auch außerschulische Partner eingebunden
- Die Ganztagsschule bietet bessere Reaktionsmöglichkeiten auf Problemlagen von Kindern und Jugendlichen
- Die Ganztagsschule bietet eine sinnvolle Freizeitgestaltung
- Vereinbarkeit von Familie und Beruf
- Kinder können ihre Talente und Fähigkeiten optimal entfalten
Qualitätskriterien für den GanzTag
Die Errichtung eines Ganztagsangebots an einer Schule eröffnet ihr die Chance zur Weiterentwicklung im Sinne des Qualitätsmanagements.
Sie gewinnt ein anspruchsvolles schulisches Ganztagsprofil, wenn...
- der Förderaspekt im Vordergrund aller Ganztagsschulangebote steht, sie entsprechende Festlegungen in ihrem Förderkonzept getroffen hat und sich gerade angesichts der Heterogenität der am Ganztagsschulangebot teilnehmenden Schülerinnen und Schüler zum Ziel setzt, individuelle Fähigkeiten und Fertigkeiten zu fördern und dem Unterstützungsanspruch eines jeden Kindes zu entsprechen,
- sie sich ihres Bildungsauftrages in seiner schulartspezifischen Ausprägung vergewissert und diesen für die Ganztagsschule erweitert,
- sie die Eltern und altersgemäß auch die Schülerinnen und Schüler bei den Überlegungen zum pädagogisch-organisatorischen Konzept einbezieht und bei der Umsetzung aktiv beteiligt,
- sie erweiterte Kompetenzen und das Engagement von Lehrkräften nutzt,
- sie ergänzende Kompetenzen durch geeignetes, pädagogisches Fachpersonal gewinnt,
- sie geeignete außerschulische Partner aus der Region gewinnt, die die Ganztagsschule durch interessante und pädagogisch wertvolle Angebote bereichern,
- sie die erweiterten pädagogischen Möglichkeiten der Ganztagsschule positiv und werbend in der Schul-Öffentlichkeit darstellt und dadurch dauerhaft einen Großteil ihrer Schülerschaft zur Nutzung gewinnt,
- sie ihr Ganztagskonzept als weiteren Schritt einer kontinuierlichen Schulentwicklung versteht.
Allgemeine Vorgaben
- Zeitlich verlässliches Angebot an vier Tagen von 8.00 bis 16.00 Uhr.
- Das freiwillige Angebot ist, wenn es gewählt wird, für Schülerinnen und Schüler für mindestens ein Schuljahr verpflichtend.
Organisatorische Vorgaben
- Schulen müssen je nach Schulart eine Mindestanzahl an Ganztagsschüler(inne)n umfassen (Grundschulen: 36, Schulen der Sek. I: 54, Sonderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen: 26).
- Das Land trägt sämtliche Personalkosten: die Zuweisung erfolgt in Lehrerwochenstunden, die sich nach Anzahl der Schüler/innen richtet. Lehrerwochenstunden können auch als Geld verausgabt werden (1 LWS entspricht 1280 Euro).
- Die Personalauswahl erfolgt durch die Schule: neben Lehrkräften kommen pädagogische Fachkräfte und sonstige außerschulische Partner zum Einsatz.
- Es gibt das additive Organisationsmodell (heterogene Ganztagsgruppen aus verschiedenen Klassen nehmen am Nachmittag Ganztagsangebote wahr) und das rhythmisierte Organisationsmodell (Bildung von Ganztagsklassen, Unterricht und Ganztagsangebote über den Tag verteilt). Das Halbtagsschulangebot bleibt neben dem Ganztagsschulangebot am gleichen Standort erhalten (Wahlmöglichkeit zwischen Halbtags- und Ganztagsschule).
Pädagogische Vorgaben
Das Ganztagskonzept muss vier Gestaltungselemente umfassen:
- Unterrichtsbezogene Ergänzungen inklusive (Haus-) Aufgabe,
- themenbezogene Vorhaben und Projekte,
- Förderung und
- Freizeitgestaltung.
Kooperation mit der Jugendhilfe
Auf der Basis der Rahmenvereinbarungen, insbesondere mit den Kirchen und den kommunalen Spitzenverbänden, besteht mit der Jugendhilfe ein hohes Maß an Kooperation und Abstimmung bezüglich der Betreuungsangebote und der Angebote der Jugendarbeit.
Die Rahmenvereinbarungen sichern die pädagogische und organisatorische Zusammenarbeit, die sich an vielen Orten bereits in entsprechender Qualität entwickelt hat.
Außerschulische Kooperationspartner
Die Schule schließt einen Vertrag mit dem Kooperationspartner, nicht mit einer einzelnen Person. Der Kooperationspartner stellt das für den Einsatz in der Schule geeignete Personal zur Verfügung. Diese Personen bringen entsprechende fachliche Qualifikationen mit und müssen pädagogisch für die Übernahme einer Tätigkeit in der Ganztagsschule geeignet sein.
Wo der Abschluss von Dienstleistungs- oder Kooperationsverträgen nicht möglich ist, können die Schulen auch Beschäftigungsverhältnisse mit einzelnen außerschulischen Fachkräften, darunter in erster Linie BAT-Verträge begründen.
Über solche Vertragsabschlüsse können die Schulen wertvolle Qualifikationen aus ganz unterschiedlichen Bereichen, so etwa der Arbeits- und Wirtschaftswelt, gewinnen.
Zusätzlich wird im Land seit 2003 jährlich eine "Messe der außerschulischen Kooperationspartner" veranstaltet, die den Schulen ermöglicht, "Dienstleistungen" einzukaufen.
Rahmenvereinbarungen bestehen mit folgenden 24 Kooperationspartnern:
- Evangelische Kirchen
- Katholische Kirche
- Landessportbund
- Landesmusikrat
- Landesverband der Musikschulen
- Landeszentrale für private Rundfunkveranstalter
- LIGA Wohlfahrtsverbände
- Arbeiter-Samariter-Bund
- Landwirtschaftskammer RLP und Landfrauenverbände
- Landesforstverwaltung
- Kommunale Spitzenverbände
- Allgemeiner Deutscher Tanzlehrerverband
- Technisches Hilfswerk
- Internationaler Bund
- Landesjagdverband
- Volkshochschulverband
- Internationaler Bund
- Öffentliche Bibliotheken
- Architektenkammer
- Schriftstellerverbände
- Berufsverb. Bildender Künstler
- Landesverband des BUND
- Sparkassen- und Giroverband Rheinland-Pfalz
- Volks- und Raiffeisenbanken in Rheinland-Pfalz
Bereits bestehende Fortbildungs-, Beratungs- und Unterstützungsangebote
- Pädagogisches Zentrum (PZ)
- Institut für schulische Fortbildung und schulpsychologische Beratung (IFB); Team der Ganztagsschulmoderator(inn)en (17 regionale Berater/innen, angesiedelt beim IFB)
- Sozialpädagogisches Fortbildungszentrum (SPFZ)
- Landesmedienzentrum (LMZ)
- Schulbehörde und Ministerium
- Serviceagentur "Ganztägig lernen"
Wissenschaftliche Begleitung
Wissenschaftliche Begleitprojekte an vier rheinland-pfälzischen Hochschulen:
- Projekt 1: Die Entwicklung der Ganztagsschulkonzeption und ihre Umsetzung in der einzelnen Schule (Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz, bis 2004)
- Projekt 2: Die Ganztagsschule in Kooperation mit außerschulischen Partnern (Evangelische Fachhochschule, Ludwigshafen, bis 2004)
- Projekt 3: Selbstgesteuertes Lernen in der Ganztagsschule am Beispiel von naturwissenschaftlichen Freihand-Experimenten (Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz, bis 2004)
- Projekt 4: Neue Lehr- und Lernformen und Förderung- Gestaltungselemente der Lernkultur (Universität Koblenz-Landau, Campus Landau, bis 2005)
In allen 4 Untersuchungen wird auf ein im Rahmen der Ganztagsschulangebote erreichtes ausgesprochen günstiges Lehr- und Lernklima verwiesen. Schülerinnen und Schüler schätzen Lernzeit und angeleitete Hausaufgaben, nutzen die Möglichkeiten individueller Lernförderung und attestieren den Lehrkräften und dem sonstigen pädagogischen Personal, dass diese auf ihre Interessen und Neigungen eingehen sowie Beratung und Unterstützung in den Lernprozessen geben. Sie bestätigen auch die Rückmeldungen insbesondere der Lehrkräfte, dass das Ganztagsschulangebot zur Leistungsverbesserung und zur Steigerung des Selbstvertrauens in die eigenen Fähigkeiten beitrage.
Die Lehrkräfte berichten von intensiven Aktivitäten zur Öffnung in das regionale Umfeld und von einer Bereicherung durch die Kooperation mit außerschulischen Partnern. Sie haben vielfältige Möglichkeiten des sozialen Lernens genutzt, ihre Angebote den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen entsprechend gestaltet und die Kooperation untereinander erheblich verbessert. Sie sehen den Schwerpunkt ihrer pädagogischen Arbeit in der individuellen Lernförderung und der Beobachtung der Lernentwicklung einer Schülerin/eines Schülers. Außerdem betonen sie, dass über die Einrichtung eines Ganztagsschulangebots eine höhere didaktisch-methodische Unterrichtsqualität und ein kind- und lerngerechter Tagesrhythmus erreicht worden sei. Auch die "Hausaufgaben" wurden vergleichsweise "besser bearbeitet".
Drei POLIS-Studien seit dem Schuljahr 2002:
Als die erste POLIS - Befragung der Eltern drei Monate nach dem Start der ersten neuen Ganztagsschulen in Rheinland-Pfalz empirisch belegte, dass deren Angebote von allen Beteiligten - Schülern, Lehrern, Schulleitern und Eltern - begrüßt und positiv bewertet wurden, wurde vereinzelt auch die Vermutung laut, die Ergebnisse spiegelten vor allem die Euphorie der Anfangsphase, die nur kurze Zeit Bestand haben würde. Die Ergebnisse der 2 weiteren Studien zeigten jedoch, dass die Attraktivität der Ganztagsschule ungebrochen ist, teilweise ist sogar eine noch größere Zufriedenheit mit der Organisation und den pädagogischen Angeboten zu registrieren. Gerade "Hausaufgabenhilfen" werden als Herzstück des Ganztagsschulangebot betrachtet; die Zustimmung der Eltern zu diesem Angebotsteil wuchs von Studie zu Studie.
Alle POLIS-Studien belegen, dass eine Schulreform gelingt, die sich insbesondere bei den Eltern als eine "Marke" erfolgreicher Schulpolitik des Landes Rheinland-Pfalz durchgesetzt hat. Die Ganztagsschule in Angebotsform werde immer deutlicher zum Schrittmacher einer veränderten Lehr- und Lernkultur und von Schulentwicklung insgesamt. Aus der Sicht der Eltern habe die Ganztagsschule vor allem bei den angebotenen Hilfen im Bereich der Hausaufgabenbetreuung und der intensiven und differenzierten Förderung von Schülerinnen und Schülern überzeugt.
In der 3. Studie wird vor allem die Wichtigkeit der Förderangebote für Mathematik, Deutsch und Fremdsprache betont. Nur die Hälfte der Eltern ist aber mit diesen Angeboten zufrieden.
Ein vergleichbares Ergebnis hat auch die erste Erhebung im Rahmen der "Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen - StEG". Bei der StEG-Studie handelt es sich um ein vom Bund finanziertes Forschungsprojekt, das gemeinsam von Wissenschaftlern des Deutschen Instituts Pädagogischer Forschung (DIPF), des Deutschen Jugendinstituts (DJI) und des Instituts für Schulentwicklungsforschung an der Universität Dortmund (IFS) durchgeführt wird. Zentrales Anliegen des Projektes ist es herauszufinden, unter welchen Voraussetzungen Ganztagsschulangebote am besten gelingen und hohe Akzeptanz finden. Die Wissenschaftler haben nach der ersten Erhebung festgestellt, dass sich Lehr- und Lernklima, und die methodisch-didaktische Vielfalt bei der Gestaltung der pädagogischen Angebote überaus günstig entwickeln, jedoch auch Elternwünsche bezogen auf eine Ausweitung der individuellen Förderung verstärkt genannt werden. Viele Schulen haben nach solchen Ergebnissen bereits ihr Angebot verändert und Förderung intensiviert.
Finanzierungsspekte
Mittel aus dem IZZB des Bundes bis 2007: ca. 198,4 Mio €
Die Finanzhilfen werden einerseits als Pauschalen und andererseits zur Förderung von Baumaßnahmen an Ganztagsschulen gewährt:
Jede Grundschule erhält 50.000 €, jede Sek. I-Schule 75.000 €, jede Förderschule 60.000 €, jede Schule mit einer Teilnehmerzahl von mehr als 400 Schüler(inne)n 100.000 €, für jede verbundene Grund- und Hauptschule 125.000 €.
Für die Bereitstellung des Mittagessens ist der Schulträger zuständig, an den Kosten können die Eltern beteiligt werden.
Personelle Ausstattung
Die Kosten für das pädagogische Personal (Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte und außerschulische Partner) an den Ganztagsschulen in Angebotsform werden zu 100 Prozent vom Land getragen und bemessen sich an der Zahl der teilnehmenden Schüler/innen.
