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Profil des GanzTags in Berlin

01.01.1970

Anzahl der Schulen

Betroffene Schulformen

Grundschulen (Jahrgangsstufe 1-6), Schulen mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt und Gesamtschulen.

Zeitumfang

Offene Ganztagsgrundschulen: Anwesenheitspflicht für alle Kinder bei allen innerhalb des Zeitraums der verlässlichen Halbtagsgrundschule (7.30 bis 13.30 Uhr) stattfindenden Aktivitäten. Die Schülerinnen und Schüler sind auch zur Teilnahme an der außerunterrichtlichen Förderung und Betreuung im Rahmen des rhythmisierten Schultages verpflichtet, sofern diese Angebote nicht am Beginn oder Ende des Schultages erfolgen. (Die Rhythmisierung des Schultages in der verlässlichen Halbtagsgrundschule ist ein zentrales strukturelles Element, das für die spätestens im Schuljahr 2008/09 flächendeckend jahrgangsübergreifend organisierte flexible Schulanfangsphase eine den Lern- und Entwicklungsbedürfnissen jüngerer Kinder entsprechende zeitliche Strukturierung der Lern- und Entspannungsphasen ermöglicht.)
An den die verlässliche Halbtagsgrundschule vor 7.30 Uhr bzw. nach 13.30 Uhr ergänzenden Betreuungs- und Förderangeboten der offenen Ganztagsgrundschule nehmen nur jene Kinder teil, die einen nachgewiesenen Bedarfsanspruch haben.
Gebundene Ganztagsgrundschulen: Anwesenheitspflicht für alle Kinder an 4 Tagen in der Woche in der Zeit von 8-16 Uhr; an einem Tag in der Zeit von 8 bis 13.30 Uhr, daran anschließend optionales Nachmittagsangebot bis 16 Uhr. An den die gebundene Ganztagsgrundschule vor 7.30 Uhr bzw. nach 16.00 Uhr ergänzenden Betreuungs- und Förderangeboten nehmen nur jene Kinder teil, die einen nachgewiesenen Bedarfsanspruch haben.

Formen des GanzTags

  1. Offene Ganztagsgrundschule: Erweiterung der verlässlichen Halbtagsgrundschule (7.30 bis 13.30 Uhr) um zusätzliche Förderungs- und Betreuungszeiten in Form von Angebotsmodulen: Frühbetreuung 6.00 bis 7.30 Uhr, Nachmittagsbetreuung 13.30 bis 16.00 Uhr, Spätbetreuung 16.00 bis 18.00 Uhr sowie Ferienbetreuung. Die Teilnahme am Angebot der offenen Ganztagsgrundschule (an einzelnen oder allen Modulen) ist an den Nachweis eines Betreuungsbedarfs gebunden. Die Angebotsmodule sowie das Mittagessen sind für Eltern einkommensabhängig kostenpflichtig.
  2. Gebundene Ganztagsgrundschule: Schulisches Gesamtkonzept von Unterricht, Erziehung, ergänzender Förderung und Betreuung, an dem alle Schülerinnen und Schüler in der Zeit von 8.00 bis 16.00 Uhr verpflichtend teilnehmen. Der Besuch der gebundenen Ganztagsgrundschule ist entgeltfrei, nur die Kosten für das Mittagessen müssen von den Eltern anteilig übernommen werden.
    Erweiterung der gebundenen Ganztagsgrundschule (7.30 bis 16.00 Uhr) um zusätzliche Förderungs- und Betreuungszeiten in Form von Angebotsmodulen (Frühbetreuung 6.00 bis 7.30 Uhr, Spätbetreuung 16.00 bis 18.00 Uhr, Ferienbetreuung). Die Wahrnehmung einzelner oder aller Module der ergänzenden Angebote ist an den Nachweis eines Betreuungsbedarfs gebunden. Die Angebotsmodule sind für Eltern einkommensabhängig kostenpflichtig.

Ziele des GanzTags

Bei allen strukturellen Veränderungen der Grundschule geht es grundsätzlich um eine Weiterentwicklung der Lehr-Lernkultur, um die Verbesserung der Qualität des Unterrichts und der individuellen Förderung aller Schülerinnen und Schüler. Das erweiterte Zeitfenster ganztägiger Angebote schafft Raum für inhaltliche und methodische Veränderungen schulischer Bildungsangebote. Ziel ist die Weiterentwicklung der Grundschule zu einem ganzheitlichen System von Bildung, Erziehung und Betreuung, in dem Unterricht und außerunterrichtliche Angebote inhaltlich und organisatorisch aufeinander bezogen sowie auf die Lern- und Lebensbedürfnisse der Schülerinnen und Schüler ausgerichtet sind.

Mit der verlässlichen Halbtagsgrundschule und der offenen bzw. gebundenen Ganztagsgrundschule stehen den Eltern seit dem Schuljahr 2005/06 in allen Bezirken konzeptionell und zeitlich unterschiedlich ausgerichtete schulische Angebote zur Verfügung, aus denen sie das für ihr Kind gewünschte Ganztagsmodell wählen können. Unter dem Ziel einer verbesserten Förderung bildungsbenachteiligter Kinder wurden ab 2004/05 neue gebundene Ganztagsgrundschulen insbesondere - wenngleich nicht ausschließlich - in sozial besonders belasteten Gebieten eingerichtet.

Zentrale Ziele ganztägiger Bildungsangebote sind:

  1. Bildungsqualität (Weiterentwicklung der Lehr- und Lernformen, Erweiterung der Lerngelegenheiten und Erfahrungsmöglichkeiten, Verbesserung der Lernergebnisse, ganzheitliches Konzept von Bildung, Erziehung und Betreuung)
  2. Chancengerechtigkeit und Integration (intensivierte individuelle Förderung, verändertes Umgehen mit Heterogenität, Aufgreifen unterschiedlicher Lernvoraussetzungen, umfassende Sprachförderung, inklusive Schulkultur, gemeinsamer Unterricht)
  3. Soziales und interkulturelles Lernen (Freizeitangebote und Projekte, Partizipation, Öffnung von Schule in den Sozialraum)
  4. Vereinbarkeit von Beruf und Familie (verlässliche Betreuung, Lernbegleitung - anstelle von Hausaufgaben -, familienergänzende und unterstützende Erziehungsangebote)
  5. Erweiterte Bildungsangebote (Verknüpfung von Schul- und Sozialpädagogik durch Kooperation der pädagogischen Professionen, schulbezogene  Sozialarbeit, Zusammenarbeit mit außerschulischen Kooperationspartnern aus dem sozialen und kulturellen Umfeld)

Qualitätskriterien für den GanzTag

Da alle Berliner Grundschulen seit dem Schuljahr 2005/06 Ganztagsgrundschulen sind, stellen die im „Handlungsrahmen Schulqualität in Berlin" aufgenommenen Qualitätsbereiche und Qualitätsmerkmale guter Schulen für Ganztagsgrundschulen den Orientierungsrahmen ihrer Qualitätsentwicklungsschritte dar. Qualitätskriterien orientieren sich darüber hinaus an den allgemeinen Vorgaben zur Qualitätssicherung an Schulen im Rahmen des Schulgesetzes für Berlin von 2004 (z. B. Schulprogramm, interne und externe Evaluation, Vergleichsarbeiten). Das pädagogische Konzept der Ganztagschule (offen bzw. gebunden) muss im Schulprogramm ausgewiesen sein, das alle Schulen spätestens bis September 2006 zur schulaufsichtlichen Prüfung und Genehmigung vorzulegen hatten. Der Bericht über die interne Evaluation ist erstmals spätestens im März 2009 vorzulegen. Die in § 9 des Schulgesetzes vorgesehene externe Evaluation wird in Berlin seit Beginn des Jahres 2006 durch die Schulinspektion wahrgenommen.

Einen Referenzrahmen für die Qualitätsentwicklung der offenen Ganztagsgrundschulen - der gleichfalls Orientierungen für gebundene Ganztagsgrundschulen bietet - stellt das im Juli 2005 vom Senat von Berlin vorgelegte „Leitbild für die offene Ganztagsgrundschule" dar. Der Entwurf des „Berliner Bildungsprogramms für die offene Ganztagsgrundschule", das im Auftrag der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung und der LIGA Träger der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege und des Dachverbands Berliner Kinder- und Schülerläden von Prof. Jörg Ramseger, Dr. Christa Preissing und Ludger Pesch verfasst wurde, liegt seit März 2007 vor und wird derzeit - nach Abschluss der öffentlichen Diskussion - für die Endfassung überarbeitet.

Kooperation mit der Jugendhilfe

Besondere Bedeutung kommt der sozialräumlichen Vernetzung zu, die den gesetzlich akzentuierten Prozess der Öffnung von Schulen gerade im Bereich der Ganztagsschulen besonders unterstützt. Das Schulgesetz fordert dazu auf, „außerunterrichtliche Angebote der Schule, die von ihr selbst, vom Schulförderverein oder von außerschulischen Kooperationspartnern" durchgeführt werden, „als ergänzende Leistungen" in das Schulleben einzubeziehen. Ausdrücklich hingewiesen wird auf „Kooperationen mit Trägern der öffentlichen und freien Jugendhilfe".

Dem engen Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und sozialer Herkunft entgegenzuwirken und Bildungserfolge für alle Kinder zu ermöglichen, erfordert eine sozialpolitische Sensibilisierung und Begründung von Schule. Unter anderem darin besteht eine zentrale Aufgabe der Kooperation von Schule und Jugendhilfe. Sie kann dazu beitragen, Schulen mit Ganztagsangeboten als vernetzte Bestandteile der "Sozialen Stadt" und ihrer pädagogischen Infrastruktur zu entwickeln. Die Ganztagsschule öffnet sich durch ihre Integration in einen „Lokalen Bildungsverbund" zum Lebensraum für Kinder und Jugendliche und wird so als Vermittlungsagentur für ungebundene und gebundene Freizeit sowie für kulturell-innovative und sportliche Betätigung im nahen Schulumfeld tätig. Die Einbeziehung außerschulischer Partner in Unterrichtsprojekte, unterrichtsergänzende Angebote und Freizeitaktivitäten erweitert die Vielfalt der Bezugspersonen ebenso wie die Vielfalt der Angebote. Die Bildungsgelegenheiten werden dadurch fundiert. Das Mehr an Zeit lässt sich für Angebote der Jugendhilfe wie Gewaltprävention, genderspezifische und interkulturelle Arbeit nutzen. Eine Kooperation bei der Raumnutzung an Schulen bietet erweiterte Möglichkeiten der Zusammenarbeit. 

Außerschulische Kooperationspartner

Zum Schuljahr 2005/06 wurde die Zuständigkeit für die Sicherung der bedarfsgerechten Betreuung in die schulische Verantwortung überführt. Die Aufgabenwahrnehmung erfolgt auch in Zusammenarbeit mit den bisherigen Trägern der freien Jugendhilfe. Durch ihre Einbeziehung in die außerunterrichtlichen Förderungs- und Betreuungsangebote der Schulen werden ihre Erfahrungen für die Qualität der Ganztagsbetreuung nutzbar gemacht (Vereinbarung zwischen dem Land Berlin und der Liga der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege sowie dem Dachverband der Kinder- und Schülerläden (DaKS) vom Mai 2005). .

Schulergänzenden Kooperationen im Sozialraum wird große Bedeutung für die Qualitätsentwicklung der Ganztagsgrundschulen zugemessen. In § 19 des Schulgesetzes ist die Einbeziehung ergänzender Angebote durch Kooperationen mit außerschulischen Partnern ausdrücklich gefordert.
Die Berliner Grundschulen praktizieren vielfältige, am pädagogischen Profil der jeweiligen Schule ausgerichtete Kooperationen mit außerschulischen Partnern:

  1. Kooperation mit sozialen und kulturellen Einrichtungen (Bibliotheken, Jugendfreizeitheimen, Theatern etc.).
  2. Angebote gemeinsamer Aktivitäten mit, durch und für Eltern und Familien im Sozialraum.
  3. Kooperationen mit Firmen und Handwerksbetrieben.
  4. Zusammenarbeit mit Musik-/Kunstschulen, Sportvereinen, Musikern, Künstlern, Autoren
  5. Zusammenarbeit mit Studierenden, Seniorinnen und Senioren.
  6. Kooperationen mit Trägern der öffentlichen und freien Jugendhilfe.

Bereits bestehende Fortbildungs-, Beratungs- und Unterstützungsangebote

Das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) und die Sozialpädagogische Fortbildungsstätte Jagdschloss Glienicke (SFJG) bieten im Rahmen der IZBB-Begleitmaßnahmen seit 2004 ein Sonderprogramm für Ganztagsgrundschulen an. Bezirksintern werden Fortbildungen für Schulleitungen und koordinierende Erzieherinnen durchgeführt. Die regionale Schulaufsicht und pro Bezirk je zwei Koordinatorinnen für die außerunterrichtliche Förderung und Betreuung halten Beratungs- und Unterstützungsangebote vor und koordinieren den Austausch im jeweiligen Bezirk bzw. die Bildung regionaler und überregionaler Netzwerke. Die Serviceagentur "Ganztägig Lernen" - angesiedelt bei der Regionalen Arbeitsstelle für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule e. V. (RAA Berlin) bietet gleichfalls seit 2004 Unterstützung durch Vermittlung von Fortbildungsangeboten und Kontakten.

Finanzierungsspekte

Aus dem IZZB des Bundes stehen dem Land Berlin bis 2007 ca. 147 Mio. € zur Verfügung.
Das Land investiert weitere 10% der Summe sowie die Personalkosten (Lehrkräfte, Erzieher, Sonderpädagogen an Grundschulen).

Personelle Ausstattung

Die Lehrerstundenzumessung errechnet sich für die Grundversorgung von Regelklassen durch die Multiplikation der Schülerzahl dieser Klassen mit schularten- und jahrgangsspezifischen Faktoren. Die Organisationsvorgaben haben zur Folge, dass den Schulen darüber hinaus weitere Förder- und Teilungsstunden zur Verfügung stehen (u. a. in Bezug auf DaZ, sonderpädagogische Förderung, ndH-Anteil, Sozialraum). Die Lehrerausstattung erfolgt gem. den „Richtlinien für die Lehrerstundenzumessung und die Organisation der öffentlichen Berliner Schulen ab dem Schuljahr 2007/08".

Die Zumessung der Erzieherstellen erfolgt nach einem Schlüssel, der sich an der Zahl der an der VHG und an den Ganztagsangeboten teilnehmenden Kinder orientiert. Die Erzieherausstattung ist in den „Richtlinien für die Ausstattung der öffentlichen allgemein bildenden Schulen und Internate mit Stellen für Erzieher/innen und Sozialarbeiter/innen ab dem Schuljahr 2007/08" geregelt.

Hinweis:

Alle aufgeführten Rechtsvorschriften und Handreichungen sind auf den Internetseiten der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung abzurufen